Familie
Alimente in der Schweiz: Ein kleiner Guide
Unterhaltszahlungen (sog. Alimente) dienen der finanziellen Absicherung des Ehepartners oder Kindes. Alles, was Sie hierzu wissen sollten.
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Unterhaltszahlungen (sog. Alimente) dienen der finanziellen Absicherung des Ehepartners oder Kindes. Alles, was Sie hierzu wissen sollten.
«Die Ehe ist für Frauen keine Lebensversicherung mehr» – titelten Schweizer Medien im Frühjahr 2021, womit sie Bezug auf jüngste Bundesgerichtsentscheide über den nachehelichen Unterhalt an geschiedene Ehepartner nahmen.
Unterhaltszahlungen, sogenannte Alimente, dienen der finanziellen Absicherung des Ehepartners oder Kindes im Falle einer Scheidung. Wann besteht ein Anspruch auf nachehelichen Unterhalt, wann ein Unterhaltsanspruch für Kinder? Wie hoch ist ein allfälliger Anspruch und wie beeinflussen die jüngsten Urteile des Bundesgerichts den Unterhaltsanspruch für die Ehegattin oder den Ehegatten?Â
Dieser Artikel widmet sich genau diesen Fragen.
Ehegattenunterhalt: Wer zahlt wem nach der Scheidung Alimente?
Grundsätzlich gilt das Primat der Eigenversorgung. Das bedeutet, dass Ehegatten nach der Scheidung grundsätzlich selbst für ihren Unterhalt aufzukommen haben. Dennoch kann in lebensprägenden Ehen nachehelicher Unterhalt geschuldet sein.
Doch was bedeutet lebensprägend? Nach der neuen Rechtsprechung kann eine lebensprägende Ehe unter anderem dann vorliegen, wenn jemand während der Ehe wegen Kinderbetreuung oder des Führens des gemeinsamen Haushalts nicht mehr finanziell selbstständig sein konnte und es dieser Person nach der Scheidung nicht möglich ist, selbst für ihr Einkommen oder eine angemessene Altersvorsorge aufzukommen – sei es wegen fortlaufender Kinderbetreuung oder wegen zu langem Fernbleiben vom Arbeitsmarkt. Vor dem Hintergrund der konkreten Umstände des Einzelfalls prüft sodann das zuständige Gericht, ob ein nachehelicher Unterhalt geschuldet ist.
Vor der jüngsten Praxisänderung des Bundesgerichts zum Unterhaltsrecht wurde die Frage, ob eine Ehe lebensprägend ist, nach den folgenden Grundsätzen beantwortet:
Eine schweizweite einheitliche Berechnungsmethode für die Höhe von Unterhaltsbeiträgen gab es bisher nicht – sie war teilweise auch von kantonalen Gegebenheiten beeinflusst.
Einige aufeinanderfolgende Urteile des Bundesgerichts sollen – wie eingangs erwähnt – eine neue und zeitgemässere Ära im Familienrecht einläuten. Geschiedene Ehepartner oder Ehepartnerinnen müssen damit verstärkt selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen.
Auch wenn nach wie vor im Einzelfall entschieden wird, hat das Bundesgericht präzisiert, dass eine Lebensprägung der Ehe, wie sie bis anhin gehandhabt wurde, nur noch zurückhaltend bejaht werden kann. Dies wurde entschieden:
Eine Ehe kann nach neuer Rechtsprechung als lebensprägend beurteilt werden, wenn ein Ehegatte seine finanzielle Selbstständigkeit aufgegeben hat, um den Haushalt zu besorgen und Kinder zu betreuen, und es ihm nicht mehr möglich ist, in seine frühere berufliche Stellung zurückzukehren. Aber selbst dann wird die Dauer der Unterhaltszahlung angemessen zeitlich befristet, und die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit kann selbst in fortgeschrittenem Alter noch zumutbar sein.
Lebensprägend ist eine Ehe, wenn ein Ehegatte für die Kinderbetreuung oder Haushalt seine finanzielelle Selbstständigkeite aufgegeben hat und nach der Scheidung nicht mehr in seine frühere berufliche Stellung zurückkehren kann.
Für die Berechnung der Unterhaltsleistungen wird die sogenannte zweistufige Methode mit Überschussverteilung angewendet. Das heisst, es wird zunächst das Gesamteinkommen der Ehegatten ermittelt und anschliessend der Bedarf von allen Betroffenen festgelegt. Dies führt zu einer schweizweiten Vereinheitlichung der Unterhaltsberechnung. Relevant sind dabei einerseits die finanziellen Verhältnisse und andererseits die finanziellen Bedürfnisse.
Kindesunterhalt: Welche Rechte auf Alimente hat das Kind?
Kinder besitzen grundsätzlich ein Recht auf Unterhalt, unabhängig vom Zivilstand der Eltern. Bis zur Volljährigkeit oder bis zum Abschluss der Erstausbildung, welche den Einstieg ins Erwerbsleben ermöglicht, steht ihnen Unterhalt der Eltern zu.
Lassen sich Eltern scheiden, taucht die Frage auf, wer für den Unterhalt der Kinder zu welchen Anteilen aufkommt und wie hoch die Zahlungen sind.
Der Kindesunterhalt wird vom Gericht bestimmt und setzt sich aus dem sogenannten Barunterhalt und dem Betreuungsunterhalt zusammen.
Bei der Berechnung des Kindesunterhalts kann zudem der Lebensstandard des zahlungspflichtigen Elternteils eine Rolle spielen. Bei einem hohen Einkommen sowie Lebensstandard kann sich in der Einzelfallbeurteilung der Betrag der Unterhaltszahlungen erhöhen
Setzen Sie sich frühzeitig mit Ihrer Finanzplanung auseinander – um auch für Unvorhergesehenes gerüstet zu sein
Niemand möchte bei der Ehe oder der Familienplanung an Themen wie Unterhaltszahlungen denken. Doch insbesondere die jüngsten Bundesgerichtsentscheide zum Unterhaltsrecht unterstreichen die Wichtigkeit, die Finanzen in die eigenen Hände zu nehmen und sich mit der langfristigen Finanzplanung zu beschäftigen. Dabei lohnt es, sich auch mit emotional schwierigen Aspekten auseinanderzusetzen – zum Beispiel mit einer Trennung oder einem Todesfall.
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